Tag 243-249: Tollkühne Männer auf ihren fliegenden Kisten – Ausflug in die Sportfotografie

Die Woche stand im Zeichen des Motocross: am Wochenende fand das 54. Internationale Reutlinger ADAC Motocross statt. Natürlich gibt es auch noch andere Bilder in dieser Woche – und einen Preis bekommt, wer herausfindet, wie das erste und zweite Wochenbild zustande gekommen sind.

Am meisten gelernt habe ich aber bei der Sportfotografie. Ein erstes Mal, das sich als riesiger Spass herausgestellt hat. Motocross hat mich restlos begeistert und ganz besonders die Seitenwagen. Allein mengenmäßig habe ich alle meine bisherigen Rekorde gebrochen und an zwei Tagen über 2400 Bilder gemacht.

Für die Sportfotografie musste ich mich mal wieder intensiver mit der Technik auseinander setzen, da die Anforderungen besondere sind. Zum Glück hatte ich zwei Tage Zeit, so konnte ich bei der Sichtung der Bilder aus den Fehlern des ersten Tages lernen und einiges am zweiten Tag besser machen.

Das habe ich über Sportfotografie (im Motorsport) gelernt:

1. Über die Komposition
Die Akteure nicht zu klein abbilden, nicht zu viel Hintergrund mit draufnehmen.
Auf Vollständige Motive achten: Köpfe, Füße, Sportgerät: alles muss ganz drauf sein. (Gezielte Ausschnitte natürlich ausgenommen)
Hintergrund prüfen, bevor es los geht. Je ruhiger der Hintergrund, desto besser kommt die Action der Sportler zur Geltung. Das muss man schon bei der Auswahl des Standortes berücksichtigen.
Gesicht mit drauf. Bilder von hinten sind meist sinnlos.
Auf störende Elemente im Vordergrund achten (Dreckbollen, Absperrbänder, Pylonen, Reifen, Strohballen etc.).
V.a. bei Sprüngen auf einen möglichst tiefen Standpunkt achten, so dass Fahrer und Maschine nach Möglichkeit ganz vor dem Himmel abgebildet sind.

2. Über die Belichtung
Wie für mich üblich fotografiere ich mit Zeitautomatik (Blendenvorwahl). Allerdings muss ich trotzdem ständig auf die Belichtungszeit achten: ist die Belichtungszeit länger als 1/640 kommt Bewegungsunschärfe insgesamt zum Tragen und das Motiv wird unscharf. Bei weniger als 1/1250 wiederum frieren auch die Räder mit ein und Sportler und Maschine sehen erstarrt aus (ist natürlich auch von der gefahrenen Geschwindigkeit abhängig).

Dann stellt sich noch die Frage, welche Messmethode für eine gute Belichtung die beste ist. Die Lichtsituation war schwierig wegen des strahlend sonnigen Wetters und da die Rennen natürlich am hellichten Tag stattfinden.
Die mittelbetonte Messung hat in den ersten Versuchen zu viele zu stark unterbelichtete Fotos erzeugt (durch den sehr hellen Himmel).
Die integrale Messung lieferte garkeine brauchbaren Ergebnisse (viel zu hell oder viel zu dunkel, aber nie auch nur annähnerd ok).
Also Spotmessung, was dann aber ebenfalls allerdings oft die völlige Überbelichtung Himmels zur Folge hatte. Also musste eine Belichtungskorrektur dazu (meist -1/3), damit war das Hauptmotiv zwar oft etwas zu dunkel, was sich in der Nachbearbeitung aber recht einfach korrigieren lässt – Unterbelichtet ist ja nie so schlimm, wie überbelichtet).

3. Über Schärfe und Unschärfe
Die Frage: Wie kriege ich Bilder von Motorrädern scharf, die mit 70 Sachen an mir vorbei rasen? Manuelles fokussieren fällt auf jeden Fall aus.

Der Modus muss in jedem Fall auf „kontinuierlich“ stehen (bei Nikon: AF-C), da es ja um bewegte Objekte geht.

Die Priorität für die Auslösung habe ich normalerweise auf „Auslösung“ stehen, hier bietet sich aber eindeutig die Schärfepriorität an, das erspart einem hinterher das Löschen von zahllosen unscharfen Bildern.

Die Messfeldsteuerung hatte ich im ersten Versuch auf „automatisch“ gestellt. Das funktionierte garnicht, meist waren Hintergrund, Vordergrund oder sonstwas scharf, aber nicht der Motorradfahrer.
Zweiter Versuch: 3D-Tracking, das Ergebnis war genauso schlecht oder falls möglich sogar noch schlechter.
Also zurück auf den für mich üblichen Modus der Einzelfeldsteuerung. Normalerweise arbeite ich mit allen 39 Messfeldern, die meine Nikon hergibt. Damit ich es beim schnellen fokussieren einfacher habe, habe ich in diesem Fall die Messfelder auf 5 reduziert, damit geht die Auswahl schnell und eines der Felder passt eigentlich immer. Die Ausbeute scharfer Bilder war danach deutlich höher.

4. Bildstabilisator natürlich anschalten!!

Nach dem Fotografieren war die Bildauswahl noch weitere Herausforderung.
Von den knapp 2500 Bildern sind am Ende (und nach einiger Nachbearbeitung) c.a. 20 Bilder übrig geblieben, die ich als „herzeigbar“ kategorisiert habe.

Als Workflow haben sich für mich mehrere Durchgänge mit unterschiedlichen Kriterien fürs Aussortieren als sinnvoll herausgestellt:
1. Durchgang: Alle offensichtlich verunglückten Bilder fliegen raus (unscharfe, unrettbare Fehlbelichtungen, verunglückte Ausschnitte, eindeutig langweilige oder sonstwie missraten).
2. Durchgang: Gelöscht werden alle mit langweiligen oder sonstwie schlechtem Bildaufbau und die schlechteren aus Serien (das ist am schwierigsten, finde ich).
3. Durchgang: Dann nochmal die schlechteren der übrig gebliebenen raus, aus Serien nur die besten Bilder behalten.

Mengenmäßig sah das für den ersten Tag dann z.B. so aus:
1. Durchgang: von 953 auf 487
2. Durchgang: auf 261
3. Durchgang: auf 217

 

Die wichtigsten Einstellungen für die (Motor-)Sportfotografie zusammengefasst:

  • ISO: nicht zu hoch, damit die Schärfe nicht verloren geht
  • Belichtung: Belichtungszeit etwa zwischen 1/640 und 1/1250
  • Autofokus: AF-C (kontinuierlicher AF) und manuelle Wahl des Fokuspunktes bei möglichst wenig wählbaren Messfeldern (5 oder 9).
  • Betriebsart: Serienaufnahme mit Schärfepriorität bei der Auslösung (unbedingt auf eine schnelle Speicherkarte achten!)
  • Belichtungsmessung: Spotmessung mit Belichtungs-Korrektur je nach Verhältnissen.